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Endorion - Das Dunkle Volk



Ein Interview

Eine dicke Schneeschicht bedeckte die Terrassen vor dem Ministerialpalast und dessen Dach. Die Treppen waren vom Eis spiegelglatt, und man hatte es bereits aufgegeben, sie mit Salz zu streuen. Jedem wurde empfohlen, spikebewährte Stiefel zu tragen, wenn man die siebenundzwanzig vereisten Stufen zur Eingangstür des Palastes in Angriff nehmen wollte. Den Weg säumten unzählige Splitter, die von den riesigen Eiszapfen hoch oben am Dachsims herrührten. Sie mussten regelmäßig abgeschlagen werden, damit sie nicht als tödliche Gewichte auf die Angestellten des Palastes herabregneten. Aber die Arbeit wurde gewissenhaft erledigt, und es bestand keine Gefahr – außer der glatten Treppe – für Neil Aab, Reporter beim staatlichen Fernsehen eTV. Gegen die Kälte trug er einen flauschigen, thermobeschichteten Wintermantel, dennoch war er froh, das beheizte Gebäude zu betreten. Bevor sich die automatische Tür schloss, warf Aab noch einen letzten Blick auf die Landschaft draußen: Meterhohe Schneeberge, blattlose Bäume, ein von grauen Wolken verhangener Himmel und der zugefrorene Strom des Patarama in weiter Ferne. Das typische Bild eines strengen Winters. Aber es war später Frühling auf dieser Planetenhalbkugel Endorions.

Im Inneren des Ministerialpalastes musste Neil Aab staunen über Eingangshalle, die mehr zu einem Wolkenkratzer als zu der klassizistischen Fassade passte. Der Raum war nüchtern mit braunem Teppichboden, sterilen Stahlwänden und Topfpflanzen, die seit langer Zeit kein Wasser mehr gesehen hatten, ausgestattet. Komplettiert wurde das Zimmer durch einen viel zu großen Empfangstisch, an dem eine Frau gerade eifrig eine Tastatur bearbeitete. Das Klackern war das einzige Geräusch im Raum. Es begann bereits, Aab auf die Nerven zu gehen. Daher trat er schnellen Schrittes an das Pult heran. Die Sekretärin unterbrach das Tippen und sah ihn mit einem Blick, der in seiner Kälte dem Klima draußen in nichts nachstand, vorwurfsvoll an.
„Ja?“
„Ich habe ein Gespräch mit Ben Soreno.“
Hätte die Erwähnung dieser Tatsache Andere zumindest zu einem Aufhorchen oder einer überraschten Geste gebracht, so zeigte die Frau keinerlei Reaktion. Stattdessen antwortete sie streng:
„Minister Ben Soreno. Ihr Name?“
Aab übergab ihr lächelnd seine Karte. „Neil Aab. Vielleicht haben Sie mich ja schon mal in den 8-Uhr Nachrichten gesehen?“
„Bedaure. Nachrichten gibt es in diesem Haus früher als erst um Acht.“ Sie schob die Visitenkarte zurück. „Könnte ich Ihren Ausweis sehen? – Danke. Ihren Koffer bitte.“
„Da ist meine Kamera drin.“
„Ihren Koffer“, wiederholte sie, und ihr Ton ließ eindeutig keine Widerrede zu. Aab verstand. Der Koffer würde auf Waffen untersucht werden, genauso wie er selbst, wahrscheinlich von den zwei unauffälligen Herren im Anzug, die plötzlich aus einer grifflosen Tür in der Wand traten. Mit sanftem Druck führten die Zwei-Meter-Hünen Aab zu einem Fahrstuhl am Ende der Empfangshalle.

Minister Ben Soreno, oberster Regierungschef der Vereinigten Länder Endorions (VLE), Vorsteher von vier Milliarden Menschen und Wächter über einhundert Millionen Quadratkilometer Land, blickte aus dem Fenster. Das Kabinett lag im dritten Stock des Ministerialpalastes, und so breitete sich ein großartiges Panorama vor seinen Augen aus. Er sah die große Schnellstraße, die Aorta der VLE, die im Moment jedoch von einem kilometerlangen Stau blockiert wurde, weil das Räumfahrzeug seinen Dienst tat. Er sah die schneebedeckten Berge des Trike-Gebirges, die den Horizont begrenzten. Und er sah Endorion Stadt, ein Meer aus Wolkenkratzern, die grau in grau mit dem Himmel zu verschmelzen schienen. Zahlreiche Lichter strahlten hell in alle Richtungen und zum Palast herauf, als ob sie die Kälte damit vertreiben könnten. Außen am Fenster klebte ein Thermometer. Es zeigte -30° Celsius. Ben Soreno fröstelte es und er griff instinktiv nach dem Heizkörper, aber der stand schon auf Anschlag. Schulterzuckend wandte er seinen Blick vom Fenster ab. „Also, was gibt es neues, Linus?“
Der Angesprochene saß in seinem Lieblingssessel und hörte auf den Namen Linus Goch, seines Zeichens oberster General und langjähriger Freund Sorenos. Sie kannten sich seit der Schule und hielten auch dann noch Kontakt, als sich Goch freiwillig bei der Armee gemeldet hatte.
„Neues?“ Er strich sich mit der Hand über die Glatze. „Die Föderalisten wollen die Reparationszahlungen aussetzen, wegen des Klimas.“
Soreno lachte trocken. „Denen ist auch kein Grund zu Schade. Wobei, diesmal ist er sogar Berechtigt, das sehe ich ein. Aber du kennst ja meine Linie.“
Goch nickte. „Also ablehnen.“
„Weiter.“
„Morgen wird der Weltklimabericht veröffentlicht. Wir konnten das nicht länger verzögern.“
„Steht sowieso immer das gleiche drin. Es wird kälter, die Tage werden kürzer, es ist länger Winter... Weiter!“, drängelte der Minister.
„Das war es auch schon“, antwortete Linus Goch. Dann jedoch fiel es ihm ein. „Du hast heute noch ein Interview zur aktuellen Situation, aufgezeichnet. Soweit ich weiß, muss der Reporter jeden Augenblick kommen.“
Kaum hatte er den Satz vollendet, summte die Sprechanlage, und die Empfangsdame kündigte den Besucher als anwesend und geprüft an. Soreno knirschte mit den Zähnen. „Na, dann wollen wir mal.“


Idee zur Fortsetzung: - Das Interview soll weiter in die Situation einführen - Reporter stellt Fragen, die nicht autorisiert wurden
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